Draußen unterm Frühlingshimmel

Am 8. Kurstag direkt nach den Osterferien war der Himmel klar und es gab wieder einen Außentermin unter dem Sternenhimmel der Stecknitz-Region. Auch die Temperaturen spielten mit; so dass niemand frieren musste. Viele Teilnehmer hatten auch ihre eigenen Geräte mitgebracht: Russentonne, Fotoapparat mit Objektiv, Refraktor und Reflektor, alkoholfreies Bier – es war alles dabei.

Da es Mitte April recht spät dunkel wird – so etwa 1 Stunde nach Kursbeginn – wurde die Dämmerungszeit genutzt, um sich mit der Aufstellung und Justierung eines Amateurteleskops eingehend zu beschäftigen. Denn in der Dunkelheit ist es insbesondere für den Anfänger schwieriger, sich zurechtzufinden und die richtigen Handgriffe am Telskop anzuwenden. Doch wie baut man ein Teleskop nun eigentlich fachmännisch auf?

Hierzu sollte zunächst das Teleskop so auf- und eingestellt werden, dass es für die visuelle Beobachtung reicht; Präzision stand jetzt noch nicht im Vordergrund. Es standen zwei Geräte mit parallaktischer Montierung zur Verfügung: Ein kleiner 70mm-Refraktor, der von Gästen mitgebracht wurde, und ein mobiler 6“-Newton.

Zunächst wurde ein geeigneter Platz für die Aufstellung des Stativs gesucht. Möglichst eben und ein fester Untergrund; der Straßenasphalt reichte dafür bestens aus. Dann wurde mit Hilfe eines Kompasses der Norden bestimmt und die Stundenachse der Montierung auf diese Richtung eingestellt. Anschließend wurde die Neigung der Polachse auf 53° – die geographische Breite unseres Beobachtungsortes – eingestellt und festgezurrt. Durch Anpassen der Höhen der Stativbeine wurde sichergestellt, dass die Montierungsebene des Stativs auch wirklich horizontal ausgerichtet war; so dass die Stundenachse der Montierung tatsächlich in Richtung des Polsterns zeigte.

Nachdem die Gegengewichtsstange, das Gegengewicht und die Optik angebaut wurden, ging es daran, das Gleichgwicht des Teleskops herzustellen, um die Belastung auf die Montierung und auf das interne Getriebe so gering wie möglich zu halten. Hierzu wurde das Gegengewicht aus der Gegengewichtsstange solange verschoben, bis dieses mit dem Eigengewicht des Tubusses auf der Stundenachse im Gleichgewicht war. Das Gleichgewicht auf der Deklinationsachse wurde ebenfalls durch Verschieben des Tubusses auf seiner Montierungsschiene hergestellt. Nun ließ sich die Optik mit einem Finger sanft in jede Richtung schubsen.

Aber das war noch nicht alles. Nun ging es daran, die Blickrichtung des Suchers mit der Hauptoptik in Übereinstimmung zu bringen. Hierzu wählten wir den Turm der Behlendorfer Kirche aus, der am Horizont in etwa 4-5 km Entfernung zu erkennen war. Die Turmuhr wurde mit der Hauptoptik des Teleskops anvisiert und im Okular zentriert. Dann wurde die Teleskopausrichtung fixiert, so dass es stabil in diese Richtung blickte. Nun wurde durch das Sucherfernrohr geschaut und die Turmuhr in das Fadenkreuz des Suchers gebracht. Eine durchaus schweißtreibende Angelegenheit; insbesonderen bei Suchern mit 6 Fixierungsschräubchen! – Aber es klappte schießlich.

Nun war es endlich soweit und wir konnten mit der Beobachtung beginnen. Die Mühen der Teleskopeinstellung haben sich gelohnt. Im Westen standen die Mondsichel und die Venus, die sogleich erfolgreich im ersten Versuch anvisiert werden konnten. Uns bot sich ein faszinierender Anblick; insbesondere die Mondsichel und die aschfahl  angehauchte dunkle Seite waren ein echtes visuelles Erlebnis.

Da es nun beständig dunkler wurde, konnte den Teilnehmern zusätzlich noch demonstriert werden, wie mit dem in der Montierung eingebauten Polsucher umgegangen wird. Stück für Stück wurde dabei der Polstern in die dafür vorgesehene Markierung des Polsuchers gebracht und so eine ziemlich präzise Einstellung der Polachse der Montierung erreicht.

Zu vorgerückter Stunde kamen nun immer mehr Sterne heraus, so dass wir eine ausführliche Wanderung durch die Sternbilder des Frühlingssternenhimmels und ihren galaktischen Schätzen unternehmen konnten.

Leider war auch dieses Mal die Zeit wieder viel zu schnell vorbei. Gegen 22:00 mit einer Stunde ‚Zugabe‘ traten die letzten Teilnehmer den Weg nach Hause an; denn am nächsten Morgen kräht unerbittlich der Hahn und es geht wieder zur Arbeit.