Kurstag 5: Astrofotografie mit Startracker

Umgebung Nordamerikanebel & Pelikannebel
Nordamerikanebel & Pelikannebel. 19x 70 Sekunden bei 150 mm Brennweite.

Wie erstellt man eigentlich diese epischen Astroaufnahmen der Milchstraße – oder von Sternfeldern, aus denen dem Betrachter Staubbänder, eingebettete Nebelkomplexe und leuchtende Sternwolken buchstäblich entgegenspringen?

Zur Überraschung unserer Teilnehmer ist dabei gar nicht viel sperriges Equipment erforderlich:  Ein Stativ mit Spiegelreflexkamera, 3 Stück (zugegebenermaßen nicht ganz billiger)  ‚Hardware‘ und für die spätere Verarbeitung der Fotos ein Desktop-PC mit entsprechender Software.

Die weiteren Zutaten

Einen dieser Extra-Artikel bekommt man leicht in jedem Fotoladen (oder im Internet). Es handelt sich dabei um einen programmierbaren Fernauslöser für die Kamera. Kostenpunkt etwa 50 Euro. Mit ihm lassen sich Auslösezeitpunkt, Anzahl der Aufnahmen für eine Aufnahmeserie und natürlich auch die Belichtungszeit voreinstellen.

Weiterhin wird ein robuster Kugelkopfadapter benötigt. Dabei ist das Attribut ‚robust‘ wirklich ernst gemeint! Wer hier am falschen Ende spart, riskiert einen instabilen und schwingungsanfälligen Unterbau für die empfindliche Spiegelreflexkamera. Auch hier sollte man etwa 50 Euro einplanen.

Das dritte Gerät ist i. a. etwas teurer. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Startracker, der auf das (möglichst stabile) Fotostativ gepflanzt wird.

Astrofotografie: Polarie und Kugelkopfadapter
Startracker ‚Polarie‘ und ein Kugelkopfadapter für die Astrofotografie ohne Fernrohr

Dieses Gerät ermöglicht das Mitdrehen der Kamera während der Belichtungsphase und gleicht damit die scheinbare Ost-Westdrift der Sterne aufgrund der  Erdrotation aus. Der Kostenpunkt für dieses wetterfeste Präzisionsgerät liegt hier bei etwa 300 Euro – also nicht ganz billig.

Die Zubereitung

Der Startracker wird zunächst auf das Fotostativ montiert. Wie das im Einzelnen vonstatten geht, ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen. Meine Polarie wird einfach auf den Sockel meines Fotostativs geschraubt. Danach wird das Stativ so ausgerichtet, dass durch das Guckloch des Startrackers mittig der Polstern (Polaris, Schwanzstern des kleinen Bären) zu erkennen ist.

Anschließend wird die Spiegelreflexkamera mit dem Fernauslöser und dem Kugelkopfadapter verbunden. I.a. wird dieser mit der Kamera ebenfalls mit der Hand fest verschraubt. Bitte niemals eine Zange verwenden!

In einem letzten Aufbauschritt müssen Kamera samt Kugelkopfadapter mit dem Startracker, der sich nun auf den Polstern ausgerichtet auf dem Stativ befindet, verheiratet werden. Bei der Befestigung der Kamera auf der Drehwelle des Startrackers ist besonderes Fingerspitzengefühl vonnöten, damit die (mühsam eingerichtete) Einnordung nicht verstellt wird.

Zum Schluss das Anspruchsvollste: Die Kamera auf das Zielgebiet am Himmel ausrichten und dieses manuell fokussieren (ohne auch hier die Einnordung zu verstellen)  – dies kann in eine sehr schweißtreibende Angelegenheit ausarten! Wenn möglich, sollte man die Kamera bereits vorher korrekt fokussiert und diese so mit dem Kugelkopfadapter verbunden haben, dass sie bereits grob in die gewünschte Beobachtungsrichtung zeigt.

Starstracking Setup
Fotostativ mit Polarie und Kamera auf Kugelkopf-Adapter

Wichtiger Tipp beim Zusammenbau: Bitte NIEMALS Werkzeug (z.B. Zange) verwenden. Die Gefahr des Abbrechens von Verschraubungen oder des Verkantens ist zu groß. Wenn die Kamera zu schwer ist, sollte unbedingt auf ein leichteres Objektiv (ggf. mit kleinerer Brennweite) zurückgegriffen werden – wer größere Brennweiten jenseits der 300 mm benötigt, sollte lieber gleich zu einem normalen Teleskop greifen oder die Kamera

Huckepack auf einem großen Teleskop montieren.

Nun ist das Setup bereit zu Einsatz. Möchte man lichtschwache Objekte aufnehmen, ist der Fernauslöser so zu programmieren, dass er mehrere Bilder hintereinander mit Belichtungszeiten von mindestens 1-2 Minuten schießt. Bei der Kamera ist die maximale Bildgüte mit der höchsten Pixelzahl und ein ISO-Wert von mindestens 800 und das Programm BULB einzustellen. Weiterhin ist das automatische Erzeugen eines Dunkelbildes (Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen) abzustellen, da dies unnötig wertvolle Belichtungszeit verbraucht.

Nun endlich ist das Setup komplett und einer länger belichteten Aufnahme des Sternenhimmels steht nun nichts mehr im Wege. Je nachdem, wie gut die Einnordung gelungen ist und mit welcher Brennweite man arbeitet, sind Belichtungszeiten von bis zu 2 Minuten pro Einzelbild möglich. Präzisiert man die Einnordung der Polarie mit einem (optional erhältlichen) Polsucher, sind Belichtungszeiten von mehr als 5 Minuten sogar bei Brennweiten bis zu 300 mm im Bereich des Möglichen. Nachträgliches Optimieren der Einnordung über das Guckloch am Startracker ist i.a. möglich; man sollte dabei die Kamera leicht mit der Hand abstützen.

Emissionsnebel IC 405 und IC 410
Aufnahme: Canon 1000D auf Stativ mit Star-Tracker ‚Polarie‘. Brennweite 300 mm. Einzelbelichtung 5 Minuten. Etwa 16 Einzelbilder. Es zeigt H-Alpha-Nebelgebiete IC 405 (unten) und IC 410 (oben) im Sternbild Fuhrmann. Entferung ca. 2200 Lichtjahre.
Aufnahmeort: Neutschland/ Schleswig-Holstein/Berkenthin

 

Es sollten mindestens 8 Einzelbilder (besser 16) geschossen werden. Jedes dieser Einzelbilder wird bereits Dinge darstellen, die für das menschliche Auge verborgen sind. Aber erst die digitale Aufbereitung der Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild wird mit etwas Übung das epische Ergebnis liefern! Doch dieser letzte Schritt am Computer soll zu einem späteren Zeitpunkt thematisiert werden…