Öffnungsverhältnis oder was?

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Teleskope für Einsteiger
Teleskope für Einsteiger

Beim Teleskopkauf stößt man immer wieder auf den Begriff ‘Öffnungsverhältnis’. Er begegnet uns z.B. in der Formulierung ‘Das Öffnungsverhältnis dieses Teleskops beträgt f/12’. Was es mit dieser merkwürdigen Formulierung auf sich hat, warum sie uns sehr viel über das Teleskop verrät und warum die Beschreibung in obiger Formulierung ziemlicher Humbug ist, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Verwirrendes um Öffnungsverhältnis, Blendenzahl, und f/…

Begriffe wie ‘Öffnungsverhältnis’ oder ‘Blendenzahl’ entstammen der Fotografie und sind Verhältniswerte (Quotienten) aus den grundlegenden Teleskopeigenschaften Brennweite und Öffnung. Sie beschreiben, wie ein Teleskop am besten eingesetzt werden kann und bei welchen Objekten seine Schwächen und Stärken liegen. Das Öffnungsverhältnis wird bestimmt durch das Verhältnis von Öffnung zur Brennweite (und nicht umgekehrt, wie in vielen Astroforen zu lesen). Bei Fernrohren wird i.a. jedoch als Zahlenwert das Verhältnis von Brennweite zur Öffnung, die Blendenzahl, verwendet. Nutzt man es in der Schreibweise f/[Blendenzahl] , wobei f für die Brennweite steht; ist das Verhältnis f/[Blendenzahl] letztendlich wieder die effektive Öffnung (z.B. in mm), also ein Maß für die Lichtempfindlichkeit des Teleskops.

Und so hat es sich ergeben, dass immer wieder, wenn in der Astronomie vom Öffnungsverhältnis gesprochen wird, eigentlich die Blendenzahl als Quotient von Brennweite und Öffnung gemeint ist. Darüber hinaus wird das Öffnungsverhältnis mit der Angabe  f/xy nicht korrekt wiedergegeben; richtig wäre 1 / xy oder 1 : xy, wobei xy die Blendenzahl ist.
– oh mein Gott.

Eine wichtige Kennzahl für das Teleskop

Hohe Werte der Blendenzahl, also des Verhältnisses von Brennweite zur Öffnung, (z.B. f/10-Öffnungen) beschreiben Teleskope, die eine höhere Vergrößerung mit sich bringen und nicht sehr lichtempfindlich sind. Sie werden u.a. für die Planetenbeobachtung eingesetzt. Teleskope mit einer kleinen Blendenzahl (z.B. f/6-Öffnungen) weisen eine höhere Öffnung relativ zu ihrer Brennweite auf und sind daher i.a. lichtempfindlicher. Sie eignen sich für die Beobachtung größerer, jedoch lichtschwächerer Objekte; etwa diffuse Gasnebel. Teleskope mit mittlerer Blendenzahl zwischen 6 und 10 bzw. Öffnungsverhältnisse von 1:6 und 1:10 bzw. effektive Öffnungen zwischen f/6 und f/10 können gut zur Beobachtung von Sternhaufen und nahen Galaxien eingesetzt werden, was aber nicht heisst, dass man sie nicht auch zur Beobachtung von Planeten oder diffusen galaktischen Nebeln einsetzen kann.

 

Referenzen:

Öffnungsverhältnis
Blendenzahl
Ein lustiges Beispiel