Sternenhimmel im Juni 2016

Sternenhimmel Juni 2016
Sternenhimmel im Juni 2016 um 22:00 Uhr

Die entbehrungsreichen Monate für Astronomen und Astrofotografen beginnen. Während der normale Erdenbürger anfängt, die warme Jahreszeit und die langen Tage zu genießen, müssen die Sternenbeobachter ihre Beobachtungszeiten immer stärker einschränken. Aber es gibt interessante Alternativen…

Man verbinde das wettertechnisch Angenehme mit dem astronomisch Exotischen. Doch zunächst ein Blick in den Sternenhimmel: Was erwartet uns im Juni 2016 droben über unseren Köpfen?

Sterne und Sternbilder

Sternbild Cygnus - Der Schwan
Sternfeldaufnahme des Schwans bei 150 mm Brennweite und 4x 3 Minuten Belichtungszeit. Links ist Deneb zu sehen, mittig der Stern Sadr.

Zunächst fällt auf, dass die Sommersternbilder zur dämmerlichen Standardbeobachtungszeit um 22:00 MESZ respektable Horizonthöhen erreicht haben; insbesondere das Sommerdreieck ist wieder komplett. Während der Adler mit dem Hauptstern Altair noch knapp über dem Osthorizont seine Runden dreht, sind Schwan mit Hauptstern Deneb und die Leier mit Wega bereits hoch über dem Osthorizont. Damit wird auch die aufsteigende Sommermilchstraße immer besser sichtbar.

Am Südhorizont ist nun der Skorpion gut auszumachen mit dem rot funkelnden Gigantenstern Antares. Er ist etwa 600 Lichtjahre von der Sonne entfernt und besitzt einen mehr als 400-fachen Radius. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um ein Doppelsternsystem. Der Skorpion ist aufgrund seiner Nähe zur Milchstraße gespickt mit vielen astronomischen Leckerbissen. Hierzu zählt Kugelsternhaufen M4, direkt westlich von Antares gelegen, und ebenso M80. Das Sternbild hat auch galaktische Nebel zu bieten, etwa IC 4591, 4592, 4603, oder IC 4604. Durch die Südnähe und die geringe Horizonthöhe sind diese Objekte jedoch eher für südlicher gelegene Beobachter geeignet; aber trotzdem gehen die Nordlichter ja nicht ganz leer aus. Der Schwanz der Skorpoins bleibt jedoch für alle Mitteleuropäer leider unter dem Südhorizont verborgen.

Tieffliegende Planeten

Während Jupiter nur noch kurz am Abendhimmel zu sehen ist, bevor er gegen Mitternacht im Westen untergeht, strebt nun der auffällig rot leuchtende Mars seiner Oppositionsstellung entgegen. Er ist leicht zwischen den Sternbildern Waage und Skorpion im Süden aufzufinden. Ihm folgt im Skorpion stehend der Ringplanet Saturn. Beide Planeten stehen jedoch sehr weit im Süden, so dass es trotz ihrer bevorstehenden Oppositionsstellung zu keinen besonders guten, flimmerfreien Beobachtungsbedingungen reichen wird. Um 2 Uhr morgens gesellt sich noch ein weiterer Planet hinzu; es ist Neptun, der zur Zeit in der Osthälfte des Wassermanns unterwegs ist. Schließlich gegen 3 Uhr morgens, wenn es bereits wieder anfängt zu dämmern, kann man noch kurz Uranus in den Fischen am Osthorizont aufsuchen. Von Merkur und Venus ist am Abend- und Nachthimmel jedoch nichts zu sehen.

Sternschnuppen

Im Juni sind einige Meteorenschnuppenströme aktiv; etwa die Juni-Lyriden in der Leier, die Libriden mit Ausstrahlungspunkt im Sternbild Waage oder die Scorpius-Saggitarius Meteore mit südlichen Austrahlungszentren in den Sternbildern Skorpion und Schütze. Doch durch die zunehmende Mitternachtsdämmerung sind nur die hellsten von ihnen am Nachthimmel auszumachen.

Sonne und Mond

Der Sonnenmeridian durchläuft im Juni die Sternbilder Fuhrmann, Stier, Orion und Hase. Die Sonne selbst befindet sich dabei im Sternbild Stier mit Kurs auf die Zwillinge. Sonnenaufgang ist am 15. Juni um 4:45 Uhr, Sonnenuntergang um 21:50 Uhr MESZ.

Der Neumondtermin ist im Juni 2016 am Sonntag, den 5. Juni, Vollmond (und damit die hellste Jahresnacht überhaupt) am Montag, den 20. Juni.

Astronomisches Highlight

NLCs
NLCs (Leuchtende Nachtwolken)

Doch nun zurück zur angekündigten austronomischen Besonderheit. Eigentlich sind es keine richtigen astronomischen Objekte, doch zu sehen sind sie des Nachts in unseren sommerlichen Breiten in den hellen Sommernächten am Nordhorizont: Die Nachtleuchtenden Wolken; auch NLCs abgekürzt. Sie stehen in etwa 80 km Höhe weit über den normalen Wetterwolken und werden ‘von unten’ durch die unter dem Nordhorizont befindliche Sonne angestrahlt.  Ihr silbrige Strukturierung entspricht in keiner Weise normalen Wetterwolken. Ein Blick – auch durch ein vergrößerndes Teleskop – lohnt sich in jedem Fall!