Sternenhimmel im Juni 2020 – Albireo PROFESSIONAL

Im Juni strebt die Sonne ihrem Höchststand entgegen: Wenn sie am 20./21. Juni diese Position im Sternbild Zwillinge erreicht, ist Sommersonnenwende (Mittsommer). Es beginnt spätestens jetzt die heiße Jahreszeit und der Frühling liegt bereits hinter uns.
Durch die weit nördliche Stellung der Sonne auf der Ekliptik haben wir hier im Norden recht lange Tage und ziemlich kurze Nächte, in denen es auch nicht mehr wirklich dunkel wird. Sehr zum Leidwesen vieler Astrofotografen, die, mal abgesehen von einer ‚kleinen‘ Mondfinsternis am Monatsanfang, sich nun anderen Projekten widmen können. Aber welchen?

Viele Astronomen nutzen diese Zeit zum Testen von neuen Aufnahmetechniken oder von neuen Gerätschaften. Einige nehmen auch die Schaufel in die Hand und errichten sich Beobachtungsplätze oder eigene Gartensternwarten. Auch kann vieles nun in aller Ruhe ausprobiert werden, ohne dass man über Stunden an ein einziges Himmelsobjekt gefesselt ist.

Doch die recht kurzen und nicht mehr ganz so dunklen Nächte bieten natürlich noch reichlich Raum zur visuellen Beobachtung des Sternenhimmels – und den wollen wir hier kurz besprechen:

Im Süden steht zur Standardbeobachtungszeit um 23:00 Uhr MESZ die Waage, dicht gefolgt vom Skorpion. Beides sind Tierkreis-Sternbilder, in denen die scheinbare Sonnenbahn – die Ekliptik – hindurchführt. Besonders auffällig ist der in Südhorizontnähe befindliche Hauptstern des Skorpions: Antares. Er ist ein Riesenstern, in dessen Volumen die Sonne samt der Erde auf ihrer 149 Millionen Kilometer entfernten Umlaufbahn Platz hätte! Fernglasbeobachter fällt knapp westlich davon ein verschwommenes Fleckchen auf: Es ist der uns nächst gelegene Kugelsternhaufen M4 in ca. 7000 Lichtjahren Entfernung zu unserem Sonnensystem.
Etwas höher über dem Südhorizont gelegen finden sich die Sternbilder Nördliche Krone mit Hauptstern Gemma (oder Alphecca) und der Bärenhüter mit dem orange-rot glimmenden Hauptstern Arkturus – ebenfalls ein Riesenstern.

Kugelsternhaufen Messier 4
Naher Kugelsternhaufen im Sternbild Skorpion. Entfernung beträgt nur etwa 7000 Lichtjahre. Ein Katzensprung für Kugelsternhaufenverhältnisse.
Arktur im Bärenhüter
Arktur im Bärenhüter – ein orange-roter, sehr alter Riesenstern

Planeten

Die sonneninneren Planeten Venus und Merkur sind im Juni verschwunden. Lediglich Merkur könnte man theoretisch noch gegen 22:00 Uhr über dem Westhorizont in der Abendämmerung hinter dem Horizontdunst für wenige Minuten erahnen.

Dagegen tut sich zu vorgerückter Stunde etwas am Nachthimmel. Denn die Gasriesen Jupiter und Saturn sind gegen 02:00 Uhr MESZ in südöstlicher Richtung in den horizontnahen Sternbildern Schütze und Steinbock gut zu beobachten. Zu gleicher Zeit schält sich unser äußerer Nachbarplanet Mars und der weit entfernte Gasriese Neptun im Osten aus dem Horizontdunst. Beide Planeten halten sich an der Grenze der Sternbilder Wassermann und Fische auf. Doch viel Zeit zur Beobachtung bleibt nicht; denn gegen 02:30 setzt bereits die Morgendämmerung ein.

Planet Urauns bleibt uns noch verborgen; er steigt erst über den Horizont, wenn die Dämmerung bereits zu weit für eine Beobachtung fortgeschritten ist.

Kometen zur Monatsmitte

Zur Monatsmitte steht Komet C/2017 T2 PANSTARRS mit scheinbarer Magnitude 11.9 nahe dem Kastenstern Phecda des Großen Wagens (Gamma UMa). Zusammen mit der Hintergrundgalaxie M109 könnte sich ein schönes Gesamtbild ergeben!

Zwischen dem Großen Bären und dem Haar der Berenike kann Komet C/2019 Y1 ATLAS beobachtet werden. Er weist eine scheinbare Magnitude von nur ca. 18.6 auf und ist am aufgehellten sommerlichen Nordhimmel eher schwierig zu beobachten.

Eine komfortablere Beobachtungsposition weist Komet 88P/Howell auf. Er steht am 15. Juni direkt neben Stern Porrima (Gamma Vir) im Sternbild Jungfrau und erreicht eine scheinbare Helligkeit von ca. 13.7.

Sternschnuppen

Sternschnuppenströme im Juni gibt es viele. Doch die sind leider unauffällig, was mit Ihrer Aktivität aber auch z.T. an der Horizontnähe zusammenhängt oder auch nur dem aufgehellten Nachthimmel zu Mittsommer geschuldet ist.

Die Scorpius-Sagittarius-Meteore durchziehen mit Ihren Leuchtspuren den Nachthimmel in den Sternbildern Schütze und Skorpion. Durch ihre weit südliche Lage nahe dem Horizont sind sie in den nördliche Gefilden eher unauffällig.

Dem Sternbild Herkules scheinen im Juni die Tau-Herkuliden zu entfliehen. Dieser Strom ist zwar besser zu beobachten aber auch eher unauffälliger Natur.

Im Sternbild Waage haben die Meteore der Libriden ihren scheinbaren Ausstrahlungspunkt. Auch im im Nachbarsternild ist was los, denn im Raben ist ebenfalls ein Meteorstrom aktiv. Es sind die sog. Corviden, die am 26. Juni ihr Maximum erreichen werden.

Einen Tag später, am 27. Juni, können die Meteore der Juni-Draconiden beobachtet werden. Es ist mit ca. 5 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen, die dem Sternbild Drache zu entspringen erscheinen. Es handelt sich dabei um Trümmerteile des Kometen 7P/Pons-Winnecke.

Den gleichen Kometen haben auch die Meteore der Juni-Bootiden zur Quelle. Scheinbarer Austrahlungsort ist das Sternbild Bärenhüter. Sie können machmal zu Hunderten auftreten, sind aber in der Regel eher unauffällig.

Sonne und Mond

Sonnenaufgang ist zur Monatsmitte bereits gegen 04:45 MESZ, Sonnenuntergang um 21:50 Uhr. Die Sonne steht dabei im Sternbild Stier. Der Sonnenmeridian durchläuft die Sternbilder Fuhrmann, Stier, Orion und Hase.

Vollmond ist am Freitag, den 5. Juni und steht zwischen den Sternbildern Schlangenträger und Skorpion. An diesem Tag findet eine Halbschattenfinsternis statt, in der der Mond hinter der Erde ihren Halbschatten durchläuft. Sonne, Erde Mond stehen dabei fast in einer Reihe.

Halbschattenfinsternis des Mondes

Neumond ist am Sonntag, den 21. Juni – zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende – im Sternbild Zwillinge.