Kupferroter Vollmond
Eine totale Mondfinsternis…

In der Frühe – am Monag, den 21. Januar – ist es wieder soweit: Eine totale Mondfinsternis steht bevor. Dieses Ereignis anzuschauen, ist schon ein besonderes Erlebnis. Noch besser ist es, den Blutmond mit einer Kamera einzufangen. Hier erfahren Sie, auf was Sie achten müssen, um farbige, gestochen scharfe, legendäre Bilder dieses seltenen Ereignisses mit Ihrer Digitalkamera aufzunehmen.

Der zeitliche Ablauf der Mondfinsternis am 21. Januar 2019

Die Mondfinstenis beginnt gegen 03:30 Uhr. Dann tritt der Mond in den Halbschatten der Erde; der Eintritt in den Kernschatten erfolgt gegen 04:30. Der Höhepunkt der MoFi ist gegen am Morgen gegen 06:15 Uhr erreicht und das Ende der Totalität um 06:45 Uhr. Gegen 07:50 Uhr tritt der Mond schließlich aus dem Halbschatten der Erde und damit endet die Mondfinsternis.

Das Himmelsschauspiel findet in Mitteleuropa ausschließlich auf der westlichen Himmelshälfte statt.

Mondfinsternis - 03:00
Stellung des Vollmondes kurz vor Beginn der Mondfinsternis gegen 03:00 Uhr MEZ
Stellung des Mondes gegen Ende der MoFi um 07:00
Position des Mondes gegen Ende der Mondfinsternis um 07:00 Uhr MEZ (Screenshot Albireo 0.9.7.1)

Die Mondfinsternis fotografieren

Zur Fotografie der Mondfinsternis benötigt man eigentlich nicht viel:

– Eine Digitalkamera mit verstellbarer Belichtungszeit
– Ein Fotostativ
– Eine Lupe (nicht zwingend erforderlich)
– Ein Fernauslöser (nicht zwingend erforderlich)
– Startracker (nicht zwingend erforderlich)
– Warme Kleidung und Heißgetränk

Vorbereitungen

Eine gute Vorbereitung bewahrt sie in den allermeisten Fällen vor bösen Überraschungen – etwa dem Totalausfall Ihrer Kamera.
Bevor Sie also anfangen, sollten Sie folgendes überprüfen: Ist das Akku Ihrer Kamera auch vollständig aufgeladen ist und arbeitet es einwandfrei? Auch bei Kälte? Ggf. sollten Sie ein voll aufgeladenes Reserve-Akku mit mitnehmen.
Ist Ihre Speicherkarte ok? Sie sollte noch mindestens 16 GB freien Speicherplatz haben; um ganz sicher zu gehen, sichern Sie die alten Bilder auf einem PC und formatieren die Speicherkarte anschließend mit dem entsprechenden Menü Ihrer Kamera. Auch eine Reserve-Speicherkarte könnte in bestimmten Situationen die Rettung sein.

Machen Sie sich klar, dass Sie u. U. mehrere Stunden im Freien verbringen. Ziehen Sie sich also warm an und vergessen Sie die Heissgetränke nicht! Am besten gesüßt mit echtem Zucker. Der hält zusätzlich wach und steigert das Sehen im Dunklen. Aber lassen Sie bitte den Alkohol aus dem Spiel. Denn der beeinträchtigt das wichtigste Kapital bei Ihrer Beobachtung: Ihre Konzentration!

Rechtzeitig das Equipment aufbauen

Das Wichtigste ist, dass Sie rechtzeitig mit dem Aufbau beginnen. Hektik und Stress sind bei der Fotografie des Nachthimmels die größten Feinde. Seien Sie also mindestens eine dreiviertel Stunde vor Beginn der Finsternis an Ihrem Beobachtungsort.
Wählen Sie für den Standort des Fotostativs einen festen Untergrund. Falls Sie es auf einen Weg aufstellen, achten Sie bitte auf den Verkehr!
Stellen Sie nun das Fotostativ auf und montieren die Kamera. Verwenden Sie ein Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 300 mm bis zu 600 mm; auch gerne ein Zoomobjektiv.


Scharfstellen, Brennweite und Belichtungszeit

Bevor die Mondfinsternis beginnt, visieren Sie mit der Kamera bei 300 – 600 mm Brennweite den Mond oder ein anderes, mindestens 3 km entferntes Objekt an und versuchen sie es möglichst scharf zu stellen (in Fachkreisen ‚fokussieren‘ genannt) . Auf dem Display ihrer Kamera können Sie prüfen, ob das Bild auch tatsächlich scharf ist; eventuell vergrößern Sie das Bild noch einmal mit einer Lupe (wenn vorhanden). Falls Sie die Brennweite verändern, müssen Sie ggf. neu fokussieren.

Starstracking Setup
Fotostativ mit Kamera – hier zusätzlich mit einem Startracker

Wenn das Scharfstellen nicht richtig funktioniert, deaktivieren Sie den Autofokus am Objektiv und versuchen Sie es mit dem manuellen Fokus. Je schärfer das Bild, desto detailreicher und epochaler werden Ihre Blutmond-Bilder!

Wenn es Ihre Kamera erlaubt, stellen Sie bitte das Av-Belichtungsprogramm ein (Blendenautomatik). Dieses Programm gestattet Ihnen die manuelle Auswahl der Belichtungszeit. Wenn Ihre Kamera nicht über ein Av-Programm verfügt, suchen Sie bitte den entsprechenden Belichtungsmodus; etwa ‚Feuerwerk‚. Die Belichtungszeit sollte ca. 200 – 2000 Millisekunden betragen; denn der Blutmond ist relativ dunkel, da er ja nicht mehr direkt von der Sonne beschienen wird. Experimentieren Sie ruhig ein wenig.

Weitere Einstellungen

Um das Kamerarauschen möglichst effiktiv zu unterdrücken und die Farbempfindlichkeit zu steigern, verwenden Sie bitte eine kleine ISO-Zahl; etwa 100. Bei sehr kleinen ISO-Zahlen müssen Sie ggf. die Belichtungszeit etwas verlängern.
Wenn möglich, stellen Sie auch die Belichtungsmessung auf ‚mittenbetont‘ ein

Die Qualitätseinstellungen der Kamerabilder

Das abgespeicherte Grafikformat der Kamera ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Während günstige Kameras die Bilder nur im JPG-Format abspeichern können, sind andere Kameras in der Lage, auch Bilder im RAW-Format abzuspeichern, die wesentlich bessere Bildqualitäten mit sich bringen.
Auch wenn Ihre Kamera vielleicht nur JPG-Bilder abspeichern kann, sorgen sie bitte immer dafür, dass die Bilder in maximaler Größe (mindestens 3648 Pixel x 2432 Pixel) und in höchster Qualität (z.B. Bildqualität ‚FINE‘) abgespeichert werden.
Bitte beachten Sie, dass diese Bildeinstellungen auch den größten Speicherplatz pro Bild auf Ihrer Speicherkarte benötigen.

Und Knips!

Nun können Sie endlich loslegen. Beginnen Sie zunächst mit ein paar Testaufnahmen. Doch Achtung: Sobald sie den Auslöser Ihrer Kamera betätigen, beginnt diese ein wenig zu schwingen (auch, wenn sie auf dem Stativ angeschraubt ist!) und das führt zu unschönen Verwacklungen im Bild. Um das zu vermeiden, gibt es zwei Optionen:
Entweder, sie benutzen einen Fernauslöser, der über WLAN oder mit einem Draht mit Ihrer Kamera verbunden ist, oder Sie verwenden die eingebaute Auslöseverzögerung ihrer Kamera, hier haben Sie im Kamera-Menü sogar meistens die Möglichkeit, zwischen 2 und 10 Sekunden zu wählen. Zwei Sekunden Auslöseverzögerung sollten aber vollkommen ausreichen.

Vergessen Sie nicht, dass der Mond aufgrund der Erdrotation permanent aus der Bildmitte driftet. Je größer die eingestellte Brennweite des Objektivs, desto extremer fällt dieser Effekt aus. Kontrollieren Sie also ständig, ob sich der Mond in der Bildmitte befindet und korrigieren Sie entsprechend. Seien Sie aber sehr behutsam dabei, um nicht ungewollt den fein justierten Fokus am Objektiv zu verstellen!
Profis verwenden hierzu übrigens auf Ihrem Stativ ein spezielles Gerät (Startracker), welches die Kamera automatisch nachführen kann.

Knips, Knips, Knips…

Sie sollten nun möglichst viele Bilder aufnehmen. Zum einen haben Sie die Möglichkeit, später das schönste Bild aus einer Vielzahl von Aufnahmen auswählen zu können; zum anderen können Sie so den gesamten Verlauf der Mondfinsternis mit all ihren farbenprächtigen Facetten dokumentieren.

Noch einen Tipp zum Schluss: Verabreden Sie sich mit Gleichgesinnten! Denn zusammen mit anderen Blutmond-Freaks macht die Fotografie einer Mondfinsternis am meisten Spaß!