Am 2. Tag des VHS-Kurses stand das wichtigste Instrument aller Astronomen im Vordergrund: Das Teleskop. Es kann die Quelle unerschöpflicher Freude sein oder aber die Ursache von Frust und Enttäuschung.

Damit der erstere Fall eintritt, ist es wichtig zu wissen, wie ein Teleskop funktioniert, wie es auf- und eingestellt wird und wie es bedient wird. Doch der Reihe nach…

Zunächst wurde anhand von zwei Exponaten gezeigt, dass es im Grunde genommen nur 2 Arten von Teleskopen mit unterschiedlichem optischen Innenleben gibt: Linsenteleskope (Refraktoren) und Spiegelteleskope (Reflektoren).

Das Drumherum ist wiederum für beide Formen identisch: Beide stehen auf einem möglichst stabilen Stativ und sind an einer möglichst stabilen Montierung angeklemmt.

Die Montierung

Die Montierung ist das Bindeglied zwischen der im Teleskoptubus untergebrachten Teleskopoptik und dem Stativ. Doch auch bei den Montierungen gibt es zwei prinzipiell unterschiedliche Bauformen: Die azimutale und die parallaktische Montierung.
 Während die azimutale Montierung – eine einfache drehbare Gabel – auch von Anfängern am intuitivsten zu bedienen ist, kann man das von der parallaktischen Montierung nicht behaupten. Sie ist zunächst dem Beobachtungsort entsprechend aufzubauen und einzustellen. Doch sie hat einen entscheidenden Vorteil: Aufgrund ihrer auf den Himmelspol gerichteten Stundenachse folgt das Teleskop automatisch der Ost-West-Drift der Sterne: Man braucht dabei nur an der Stundenachse drehen, um einen entlaufenen Stern wieder einzufangen. Das Drehen an der dazu senkrechten Aufhängung (der Deklinationsachse) dient nur ab zu der Korrektur.

Parallaktische Montierung
Parallaktische Montierung

Das Aufbauen eines Teleskops mit einer parallaktischen Montierung ist schon etwas anspruchsvoller, doch wenn man es einmal verstanden und gemacht hat, ist es ähnlich wie Fahrradfahren: Man verlernt es nie!

Bei der korrekten Justierung der parallaktischen Montierung kommt es immer darauf an, die untere Drehachse (die sogenannte Rektaszensions- oder Stundenachse) möglichst präzise auf dem Himmelspol auszurichten. Um die richtige Himmelsrichtung aufzufinden, benutzt man am besten einen Kompass.
Anschließend ist die Höhe der Achse einzustellen. Dieser Winkel kann über eine Skala direkt an der Montierung abgelesen und eingestellt werden; er entspricht der geographischen Breite des Beobachtungsstandorts (für Lübeck etwa +53,4°). Korrekt eingestellt muss bei uns Astronomen auf der nördlichen Hemisphäre diese Achse nun auf einen markanten Stern weisen: Den Polstern. Tut sie das nicht, hat man irgend etwas falsch gemacht…

Der Run um Polaris

Da auf diesem Polstern (auch Polarstern oder Polaris genannt) zufälligerweise die Rotationsachse der Erde (und hoffentlich nun auch die Stundenachse der parallaktischen Teleskopmontierung) weist, ist er drolligerweise der einzige Stern, der quasi 24 Stunden am Tag fest am Himmelszelt angenagelt ist. Alle anderen Sterne ziehen im Laufe eines Tages mehr oder weniger große konzentrische Kreise um ihn herum, viele tauchen dabei unter dem Horizont im Westen ab und kommen im Osten wieder hervor.

Strahlengänge

Doch damit war dieser Kurstag noch lange nicht zu Ende! Neben der Ausrichtung von parallaktischen Montierungen beschäftigten wir uns auch mit dem Strahlenverlauf in Linsen- und Newton-Spiegelteleskopen: Während bei Linsenteleskopen das Sternenlicht mit einer möglichst großen Objektivlinse vorn am Teleskop eingefangen wird, sorgt bei einem Spiegelteleskop ein (ebenfalls möglichst großer) Hohlspiegel für das Einsammeln des Sternenlichtes am hinteren Ende des Teleskops. Das Okular ist schließlich für das Abbild der Sterne auf der Netzhaut im Auge des Beobachters zuständig.

Und zuletzt wurden noch die wichtigsten Kenngrößen von astronomischen Teleskopen besprochen: Die Öffnung, die Objektivbrennweite und die Okularbrennweite. Mit Hilfe dieser Parameter lassen sich sämtliche Teleskopeigenschaften präzise berechnen. Wie das geht? Fortsetzung folgt!

 


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