Am 20. Juni 2020 ist Mittsommer – oder Sommersonnenwende. Die Sonne erreicht bei uns gegen 23:44 Uhr MESZ den höchsten Punkt auf der Ekliptik. Es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Doch wo befindet sich die Sonne eigentlich genau am Himmel? In welchem Sternbild? Bei welchem Stern? Auf diese fundamentalen Fragen soll in diesem Betrag kurz eingegangen und zur allgemeinen Verwirrung beigetragen werden.

Erdumlauf und Himmelspol

Die Schrägstellung der Rotationsachse der Erde gegenüber ihrer Umlaufebene zu Sonne ist der Grund für die Jahreszeiten auf unserem Planeten. Denn sie sorgt für alle Punkte auf der Erde für einen jahreszeitlich schwankenden Einfall des Sonnenlichts. Es gibt vier besondere Positionen auf der Erdbahn um die Sonne. Zunächst gibt es die Frühlings- und Herbstpunkte, auf denen sich die Sonne genau senkrecht über dem Äquator befindet bzw. den Himmelsäquator durchschreitet. Tag und Nacht sind dann genau gleich lang, da die Ebene, die durch Bahntangente der Erdumlaufbahn und der Erdrotationsachse aufgespannt wird, genau senkrecht auf der Umlaufebene liegt :).

Im Winter auf der nördlichen Hemisphäre weist der Nordpol direkt von der Sonne weg und der Südpol auf die Sonne zu. Hier ist gerade auf der Südhalbkugel der Erde Sommer.

Ist jedoch Sommerbeginn auf der nördlichen Erdhalbkugel, so weist der Rotationspol der Erde direkt in Richtung Sonne. Genau diese Stellung wird am 20./21. Juni erreicht.

Perspektive auf den Sternenhintergrund

Die Perspektive, mit der die Sonne vor dem ziemlich unendlich weit entfernten Sternenhintergrund steht, wechselt natürlich im Laufe der jährlichen Sonnenumrundung.

Zu Mittsommer, also am 20./21. Juni, steht die Sonne vor dem Sternbild Zwillinge; genauer gesagt im Grenzbereich der Sternbilder Stier, Orion und Zwillinge. Könnte man zur Tageszeit den Sternenhimmel sehen, so würde man feststellen, dass die Sonne zu Mitsommer perspektivisch knapp westlich des Sterns eta Gem steht – also knapp unterhalb der westlichen Sternenkette der Zwillinge.

Stellung der Sonne zur Sommersonnenwende (Mittsommer) – Albireo 1.2.1

Zahlenspiele und Perspektiven

Die Höhe der Sonne über dem Himmelsäquator, ihre Deklination, erreicht zu Mittsommer ihren maximalen Wert; er liegt bei +23.5°. Dieser Wert entspricht der mittleren Neigung der Erdachse gegenüber ihrer Umlaufebene um die Sonne. Dies wäre für einen Beobachter am Norpol, der die Mitternachtssonne beobachtet, auch ihre maximale (für diesen gesamten Tag fast konstante) Höhe über dem Horizont. Für unsere geographische Breite (ca. 53° Nord, ergibt sich eine maximale Horizonthöhe von 90°-53 +23.5° = 60.5°.
Am nördlichen Wendekreis steht sie an diesem Tag direkt im Zenit. Seine geographische Breite entspricht wiederum der Größe der Erdneigung von 23.5° (der südliche Wendekreis hat dementsprechend eine geographische Höhe von -23.5°).

Der Mittsommertag, die Sommersonnenwende, markiert spätestens jetzt den Übergang vom Frühling in den Sommer. Doch mit diesem Tag ist die nördliche Höchststellung der Sonne überschritten; ab jetzt werden – langam aber sicher – die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Es geht wieder auf Weihnachten zu 🙂 HoHoHo!


2 Kommentare

andre · 26. Juni 2020 um 9:35

Bei einer Ausrichtung von Nord-Südtangente in West-Ost-Richtung den Zenit kartografisch auf den Nordpunkt zu setzen um zeitgleich den Nordstern auf Ost-Nord-Ost gesetzt zu haben – was habe ich da denn bitte nicht verstanden?

    Albire0 · 26. Juni 2020 um 10:10

    Hallo Andre,
    Ich denke, Du beziehst Dich auf den Satz zur Tag- und Nachtgleiche? Wenn ja, gratuliere ich Dir für Deine Aufmerksamkeit. Das Erklärungsmonster ist mir wie ein Tintenklecks so aus der Feder entwichen. Da es so schön kompliziert schimmert, habe ich es mit einem Smiley versehen und im Vorspann bereits auf die allgemeine Verwirrung hingewiesen…
    Ich hoffe aber, dass der Rest des Artikels verständlich geschrieben ist.

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