Das Tau-Problem

Tauschutzkappe
Guidingscope mit Tauschutzrohr

Welcher Himmelsbeobachter kennt das nicht? Ein Tau- Schleier bedeckt mit der zunehmenden nächtlichen Kälte zunächst den Tubus und befällt anschließend die empfindlichen optischen Elemente wie Spiegel und Linsen des Teleskops. Was ist zu tun?

Besonders Astrofotografen sind von dem Phänomen betroffen, da es Langzeitbelichtungen stark beeinträchtigen kann. Mit dem einfachen Trockenwischen ist es leider nicht getan, denn Lappen und Tücher können auf Dauer Linsen und Spiegel ruinieren oder zumindest die präzise Ausrichtung der Optik verändern. Doch nicht nur die Hauptoptik ist dem Tau ausgesetzt. Auch Zusatzinstrumente wie z.B. Guidingscopes bzw. -Fernrohre müssen vor Tau geschützt werden; da innerhalb der Belichtungszeit von 10 Minuten eine früh einsetzende Taubildung auf dem Guidingscope eine exakte Nachführung unmöglich machen kann.

Ich krieg’ einen Föhn…

Schon mal nicht schlecht, wenn man einen Föhn dabei hat; aber der verbraucht unnötig viel Energie und ist somit für Akkus im Außeneinsatz nicht geeignet; ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt ist die Lärmentwicklung, die die Nerven von Nachbarn oder mitgereisten Astronomen strapaziert. Weiterhin zu nennen sind Luftunruhe und Verspannungen in den Tuben durch die vom Föhn aufgeheizten Oberflächen.

Die τ-Physik

Physikalisch gesehen kühlen die Optiken durch Abstrahlung von Wärme aus; bis schließlich Wasser aus der feuchtigkeitsgeschwängerten Umgebungsluft auf den kalten äußeren Oberflächen des Teleskops kondensiert. Insbesondere Linsen- und Schmidt-Cassegrain- und Maksutov-Optiken sind von der Taubildung stärker betroffen, da sie eine äußere, großflächige Objektivlinse verwenden. Bei Newton-Spiegelteleskopen ist der Hauptspiegel im Inneren noch gut geschützt; während es jedoch auf dem Fangspiegel am offenen Teleskopende schnell zur Taubildung kommen kann.

Passiv ist gut!

Um die Wärmeabstrahlung zu verhindern, kann man eine passive Technik verwenden: Der Einsatz von Tauschutz-Kappen. Diese bestehen aus einem wasserfesten Isoliermaterial; etwa Schaumstoff. Zusätzlich können sie Lichteinstreuungen aus der Umgebung verhindern und erhöhen somit den visuellen Kontrast beim Blick durch das Teleskop. Dabei gilt: Je länger desto besser und – je leichter desto besser.

Selbermachen!

Eine Tauschutzkappe kann man im Handel beziehen; aber muss man dafür Geld ausgeben? Denn ein leichtgewichtiger, wiederverwendbarer Tauschutz ist mit einfachen Mitteln selbst herzustellen. Ich habe dazu eine Papprolle verwendet, wie sie beispielsweise bei Foto- und Postersendungen verwendet wird. Es gibt sie in verschiedenen Durchmessern, Wandstärken und Längen. In meiner Rumpelecke habe ich eine solche Rolle gefunden, die etwa 6 cm im Durchmesser und 46 cm Länge aufweist. Sie passt hervorragend auf mein Guidingscope-Adapter. Um sie auf den Außeneinsatz vorzubereiten, muss aber noch etwas Handarbeit betrieben werden; denn sie soll zum einen keine Reflexionen im Rohrinneren zulassen und soll zum anderen durch den Tau auf der Außenseite nicht beschädigt werden; denn Wasser löst Pappe ziemlich schnell auf!

Tauschutzkappe 1. Innen mit Tafelfarbe
Tauschutzkappe
1. Innen mit Tafelfarbe

Um die Lichtreflexionen im Rohrinneren zu minimieren, ist die Papprolle innen mit schwarzer Tafelfarbe zu beschichten. Diese ist matt und lässt nur sehr wenig Lichtreflexe zu. Die Außenseite der Papprolle wird anschließend mit (schwarzem) Buntlack bestrichen, um den Tau vom Pappkern der Tauschutzkappe fernzuhalten.

Tauschutzkappe-2
Tauschutzkappe
2. Außen mit schwarzem Buntlack

Bei längeren Tauschutzkappen wie diese ist beim nächtlichen Einsatz darauf zu achten, dass sie auch absolut gerade auf den Adapter bzw. die Fassung gesetzt wird, um unnötige Abschattungen zu vermeiden. Dabei sollte das Tauschutz-Rohr aufmontiert werden, bevor das Guidingscope bzw. -Fernrohr auf die Hauptoptik gesetzt wird.

Mit diesem 46 cm langem Tauschutzrohr steht nun einer Langzeitbelichtungs-Serie nichts mehr im Wege. Hier z.B. der Coma-Galaxienhaufen im Haar der Berenike unter Verwendung von Tauschutzkappen für die Haupt- und Guidingoptik:

NGC4889 / Comahaufen
NGC4889 mit Coma-Galaxienhaufen