Messier 53
Kugelsternhaufen M53 im Haar der Berenike. Er war mein letztes fehlendes Messierobjekt. Die Entfernung zu diesem prachtvollen Objekt beträgt ca. 60.000 Lichtjahre.

Am 26. März war es endlich soweit. Das letzte mir fehlende Messier-Objekt – der Kugelsternhaufen M53 im Sternbild Haar der Berenike – war im Kasten. Was im Jahre 2017 als sponate Challenge begann, sollte doch fast drei Jahre dauern, bis ich alle Messierobjekte fotografisch erfasst hatte.

In den Nächten vom 25. und 26. März, um Neumond herum, konnte ich die letzten mir fehlenden Galaxien – es waren insgesamt 14 (!) Stück im Virgohaufen – fotografieren. Allerdings musste die zur Verfügung stehende Zeit optimal genutzt werden, denn wenn die Galaxien den Meridian überschritten, hatten die Belichtungen abgeschlossen zu sein. Grund dafür war der Meridianflip meiner Montierung und der damit verbundene Aufwand der Neufokussierung mit einer kopfüber am Okularauszug hängenden Kamera – das wollte ich mir nicht antun.

Der Belichtungsplan

Es musste also eine angemessene Belichtungsstrategie her, um pro Objekt möglichst viele Photonen einzusammeln. Zunächst wurde auf den CLS-Filter verzichtet, der insbesondere bei der Fotografie von Galaxien sowieso nicht verwendet werden sollte. Allerdings bewegte sich der Himmelsabschnitt mit dem Virgohaufen im Laufe der Nacht direkt über eine Straßenlaterne. Um Steulicht der umgebenden Lichtverschmutzung trotz fehlendem CLS-Filter draussen zu halten, spannte ich eine lange, zusammengerollte Sportmatte aus Iso-Stoff über die Teleskopöffnung meines Newtons.

Die Belichtungszeit wurde so aufgeteilt, dass man in den verbleibenden 3-4 Stunden bis zum Meridiandurchgang der Jungfrau sieben bis acht Objekte ablichten konnte zuzüglich gewisser Pufferzeiten, falls es unerwartete Probleme geben sollte (unerwartete Probleme tauchen in der Astrofotografie übrigens ständig auf). Auch der Histogramm-Berg des Himmelshintergrundes, den mir die Kamera bei jedem Foto anzeigen sollte, musste unbedingt in der ersten Hälfte verbleiben, damit ich nicht unnötig viele ausgebrannte Sterne bzw. Galaxienkerne produzierte. Daher wurde mit (mindestens) fünf Einzelbelichtungen von maximal 190 Sekunden bei 10 Zoll Öffnung fotografiert.

Am ersten Tag spielte mir das Wetter gleich zu Beginn der Belichtungsarie einen Streich, dem insbesondere die Fotografie der Galaxie M99 zum Opfer fiel: Es zogen plötzlich Höhenwolken auf, die die Durchsicht auf den Galaxienhaufen stark einschränkte und die Konturen dieser fantastischen Galaxie verblassen ließ. Da konnte später die Bildbearbeitung auch nicht mehr viel retten.
Nachtrag, 13. April 2020: In der ersten Nachthälfte vom Ostersonntag auf den Ostermontag gab es wieder einen mondscheinlosen Blick in den Virgohaufen. Diese Gelegenheit wurde genutzt, um es mit Messier 99 nochmals zu versuchen – nun mit weitaus besserem Ergebnis!

Messier 99
Die missglückte Galaxie M99 vom 25. März
Messier 99: Der 2. Versuch vom 12. auf den 13. April

Die Wanderung durch den Virgohaufen

Ich arbeitete ich mich von West nach Ost durch den Virgo-Galaxienhaufen, um die Ost-West-Drift am Himmel etwas auszugleichen. Insgesamt konnte ich am ersten Tag die mir noch fehlenden Milchstraßensysteme M98, M99, M100, M84 & M86, M88, M89, M61 und M91 und am zweiten Tag die Galaxien M90, M49, M58, M59 und M60 und zuletzt den weiter östlich stehenden Kugelsternhaufen M53 einfangen.

Die Aufarbeitung der Bilddaten mit Fitswork und Gimp dauerte schließlich auch noch ein paar Tage, sodass ich erst jetzt über den Abschluss berichten konnte.

Den nun vollständigen Messierkatalog findet Ihr hier.

Und wie geht es nun weiter?

Einige meiner Kollegen unkten bereits und wollten mir als Nachfolgeprojekt den NGC-Katalog nahelegen. Doch der kann noch warten! Denn wie Euch bestimmt auffallen wird, sind viele der Messieraufnahmen recht unscharf und verrauscht, was an der mäßigen Gesamtbelichtung der Einzelobjekte, an fokustechnischen Unfällen oder auch an den stark südlichen Horizontpositionen vieler Messierobjekte lag. Hier will ich versuchen, sukzessive die jeweils miesesten Aufnahmen durch bessere zu ersetzen – je nachdem, wass saisonal gerade am Himmel steht.