Warten auf die SterneFür die Meteorologen startet am 1. Juni der Sommer. Doch für uns Astronomen beginnt er zwischen dem 20. und 21. Juni. Dann gibt es den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Die Nordhalbkugel ist an diesem Tag der Sommersonnenwende der Sonne komplett zugeneigt.

Auf der Erde ist nun jenseits des nördlichen Polarkreises permanent Tag; die Sonne schrammt am Polarkreis gegen Mitternacht nur knapp gegen den Nordhorizont, um dann wieder an Höhe zu gewinnen. Und am nördlichen Wendekreis steht nun die Sonne zur Mittagszeit senkrecht am Himmel. Zur Mittagszeit im 13:00 MESZ erreicht an diesem Tag bei uns die Sonne die steilste Position am Himmel – sie steht ebenfalls sehr steil am Himmel (in unseren Breiten etwa mit 90° – 53° + 23.44° = 60.44°).

Erdbahn und Erdneigung: Die Ursache der Jahreszeiten

Die Erdachse ist im Mittel um 23.44° gegenüber der Senkrechten der Bahnebene geneigt und diese weist zur Zeit auf einen festen Punkt in der Nähe des Polarsterns. Daher ist im Juni die nördliche Polarregion der Sonne zugeneigt und im Dezember die südliche. Die sommerliche Wärme wird also durch die längere Sonnenscheindauer auf der jeweiligen Hemisphäre verursacht, die der Sonne gerade zugewandt ist; daher kommt es auch zu den Jahreszeiten.
Weiterhin ist die Erde während des nördlichen Sommers von der Sonne etwas weiter entfernt als im Winter. Dies liegt an der leicht elliptischen Bahn, die die Erde um die Sonne beschreibt.  Da die Geschwindigkeit, mit der die Erde um die Sonne kreist, im Sommer leicht abnimmt und im Winter leicht zunimmt, haben wir eine etwas längere Sommerszeit auf der Nordhalbkugel als die Menschen auf der Südhalbkugel. Das ist doch was!

Aufgehellter Himmel – Schlecht für Astronomen

Der Nachthimmel wird auch um 01:00 MESZ, wenn die Sonne ihren tiefsten Stand unter dem Nordhorizont einnimmt, gar nicht mehr richtig dunkel. Vielmehr verschiebt sich der Dämmerungsstreifen langsam von Nordwest über Nord nach Nordost.
Von diesem permanenten Dämmerungsschein ist nicht nur der nördliche Teil des Himmels betroffen, sondern auch der gesamte Nachthimmel einschließlich die südlichen Sternbilder. Auf länger belichteten Aufnahmen erscheint der Himmel auch in diesen Regionen daher nicht schwarz, sondern leicht bläulich.

https://youtu.be/EVrENKUYUgk

Die Milchstraße, die man sonst in klaren Nächten an dunklen Orten gut ausmachen kann, hebt sich um den 21. Juni herum kaum aus dem angehellten Nachthimmel kaum heraus. Sehr zum Leidwesen der Astronomen auf der Nordhalbkugel, da sämtliche DeepSky-Objekte ebenfalls vor dem aufgehellten Himmel verblassen.

Die Stars der Sommernächte: NLCs

Nur gut, dass wenigstens ab zu geheimnisvolle, silbrig glänzende leuchtende Nachtwolken  am Nordhorizont auftauchen, die nur in den Sommermonaten in unseren Breiten zu beobachten sind. Diese haben übrigens nichts mit dem normalen Wettergeschehen zu tun, denn im Gegensatz zu den Wolken der Troposphäre, die in bis zu 15 km Höhe reichen, befinden sich die leuchtenden Nachtwolken in ca. 80 km Höhe.

NLCs über Norddeutschland

NLCs über Norddeutschland

Einige Daten

Sonnenaufgang ist am 21. Juni in unseren Breiten (53° nord) um 4:45 Uhr; Sonnenuntergang um 21:52 Uhr MESZ.

Die Sonne befindet sich zu diesem Zeitpunkt genau auf dem ‚Dreiländereck‘ der Sternbilder Zwillinge, Stier und Orion.

Die Sonne am 21. Juni

Die Sonne am 21. Juni – Position am Himmel zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende (Albireo V.0.9.6)